Glück ist ein zentrales Thema im Leben eines jeden Menschen und auch in meiner psychologischen Praxis. In der Vergangenheit habe ich bereits einiges über Glück geschrieben – über die psychologischen Hintergründe, die neuronalen Zusammenhänge und die philosophischen Dimensionen. Doch viele meiner Klient*innen berichteten mir, dass diese theoretischen Zugänge ihnen im Alltag nicht wirklich helfen. Deshalb soll diese Anleitung einen neuen Weg aufzeigen: weniger Theorie, mehr Praxis. Eine Einladung, Glück nicht zu denken, sondern zu erleben. Denn wahres Glück lässt sich nicht allein durch intellektuelles Verstehen erreichen. Es ist eine innere Erfahrung, die durch Übung, Haltung und Bewusstsein entwickelt wird. In dieser Anleitung erfahren Sie, wie Sie Ihr Glück auf nachhaltige Weise kultivieren können – mit praktischen Übungen und Einsichten aus der buddhistischen Psychologie.

 

1. Glück ist kein Ziel, sondern eine Praxis

Viele Menschen suchen Glück in äußeren Umständen: Erfolg, Geld, Beziehungen. Doch wahres Glück entsteht im Inneren und ist eine Frage der Haltung. Glück ist eine Fähigkeit, die Sie durch Übung stärken können.

Übung: Die Dankbarkeits-Praxis

Schreiben Sie jeden Abend vor dem Schlafengehen mindestens drei Dinge auf, für die Sie dankbar sind. Diese Übung hilft Ihnen, den Fokus auf das Positive zu lenken und Ihr Gehirn auf Glück zu trainieren. Es müssen keine großen Ereignisse sein – auch selbstverständliche Dinge wie ein warmes Bett, ein freundliches Lächeln oder ein Sonnenstrahl auf der Haut können Ihren Blick für das Gute im Leben schärfen. Die Kunst besteht darin, die kleinen Wunder des Alltags bewusst wahrzunehmen und wertzuschätzen.

Noch wirkungsvoller wird diese Praxis, wenn Sie sich die Situationen, für die Sie dankbar sind, innerlich so lebendig wie möglich vorstellen. Versetzen Sie sich für einen Moment zurück in den Moment: Was haben Sie gesehen, gehört, gespürt? Tauchen Sie noch einmal in die Situation ein und lassen Sie das Gefühl der Dankbarkeit in Ihrem Körper entstehen. Durch diese innere Visualisierung verstärken Sie die emotionale Wirkung und vertiefen das Erleben von Glück.

 

2. Achtsamkeit: Der Schlüssel zu innerem Frieden

Achtsamkeit bedeutet, bewusst im gegenwärtigen Moment zu sein, ohne zu urteilen. Wenn Sie lernen, den Moment anzunehmen, wie er ist, entsteht ein tiefes Gefühl der Zufriedenheit.

Machen Sie diese Übung täglich, um mehr Präsenz und Gelassenheit zu entwickeln.

 

3. Die Weisheit der buddhistischen Psychologie

Buddhistische Psychologie lehrt, dass Glück entsteht, wenn wir uns von Anhaftung und Widerstand befreien. Statt nach Dingen zu greifen oder sie abzulehnen, sollten wir das Leben so akzeptieren, wie es ist.

Die drei Einsichten

  1. Vergänglichkeit: Alles verändert sich – und das ist in Ordnung.
  2. Leid entsteht durch Anhaftung: Wenn Sie etwas erzwingen wollen, leiden Sie.
  3. Das Selbst ist eine Illusion: Sie sind nicht Ihre Gedanken oder Gefühle.

Durch die Akzeptanz dieser Prinzipien können Sie ein tieferes, dauerhaftes Glück entwickeln.

 

4. Glück kann man nicht mit dem Verstand erfassen

Viele versuchen, Glück mit Logik oder Analysen zu verstehen. Doch Glück ist eine Erfahrung, kein theoretisches Konzept. Es entsteht durch das Sein, nicht durch das Denken. Umso mehr Sie versuchen, das Glück zu erzwingen oder es intellektuell zu erreichen, desto mehr wird es sich entziehen. Wahres Glück kann nicht durch Willensanstrengung oder reine Gedankenkonstrukte erlangt werden – es zeigt sich vielmehr, wenn Sie sich dem gegenwärtigen Moment hingeben und das Leben so annehmen, wie es ist.

Übung: Vom Kopf ins Herz kommen

  1. Nehmen Sie sich eine Minute Zeit, um tief durchzuatmen.
  2. Fühlen Sie Ihren Körper, Ihre Atmung, Ihre Umgebung.
  3. Lassen Sie den Drang los, über Glück nachzudenken – seien Sie einfach.

Je mehr Sie in der Gegenwart leben, desto mehr werden Sie wahres Glück erfahren.

 

5. Raum für echtes Erleben schaffen

Im Alltag ist unser Geist oft überfüllt: mit To-do-Listen, Sorgen, Nachrichten, Erwartungen. Doch Glück braucht Raum – inneren Raum. Einen stillen Ort, an dem Sie sich selbst wieder begegnen.

Kleine Rituale für mehr inneren Raum

  • Beginnen Sie den Tag mit einem Moment der Stille, bevor Sie Ihr Handy in die Hand nehmen.
  • Gehen Sie regelmäßig in die Natur, ohne Musik, ohne Ablenkung.
  • Machen Sie bewusst nichts – fünf Minuten einfach nur sitzen und wahrnehmen. 

Diese scheinbar kleinen Rituale öffnen einen inneren Raum, in dem Glück sich zeigen kann – leise, unspektakulär, aber tief berührend.

Liebe Leserinnen und Leser,

Glücklichsein ist eine bewusste Wahl und eine tägliche Praxis. Durch Dankbarkeit, Achtsamkeit und das Loslassen von Anhaftung können Sie eine tiefe, innere Zufriedenheit entwickeln. Es geht nicht darum, ständig glücklich zu sein, sondern darum, immer wieder in Kontakt mit dem zu kommen, was in Ihnen lebendig ist. Glück ist kein Zustand, den Sie erreichen müssen – es ist etwas, das Sie immer wieder einladen können. Beginnen Sie noch heute mit einer kleinen Übung und beobachten Sie, wie sich Ihr Leben verändert.

Rainer Schwenkkraus

Berater und Autor